Die Idee, die Uhren saisonal umzustellen, ist älter als die meisten vermuten. Bereits 1784 schlug der amerikanische Erfinder Benjamin Franklin scherzhaft vor, die Pariser sollten früher aufstehen, um beim Tageslicht Kerzen zu sparen. Zur ernsthaften Debatte wurde das Thema erst durch den britischen Bauunternehmer William Willett, der 1907 eine Denkschrift zur Sommerzeit veröffentlichte — er ärgerte sich, dass so viele Menschen den hellen Sommermorgen verschliefen.
Zur Realität wurde die Zeitumstellung erst durch den Ersten Weltkrieg. Deutschland und Österreich-Ungarn führten sie am 30. April 1916 als kriegswirtschaftliche Maßnahme ein — Energie sollte gespart werden, indem das natürliche Tageslicht besser genutzt wurde. Kurz darauf zogen Großbritannien, Frankreich und weitere Länder nach. Nach dem Krieg wurde die Regelung in vielen Staaten wieder abgeschafft, im Zweiten Weltkrieg aber erneut eingeführt.
In der Nachkriegszeit herrschte in Europa ein Flickenteppich: Manche Länder stellten um, andere nicht — und die, die es taten, oft zu unterschiedlichen Terminen. Das sorgte für erhebliche Verwirrung im grenzüberschreitenden Verkehr und im Rundfunk. Erst 1980 wurde die Sommerzeit in der Bundesrepublik Deutschland wieder einheitlich eingeführt, die DDR zog im selben Jahr mit. Ziel war nun vor allem die Synchronisation mit den westeuropäischen Nachbarländern.
Seit 1996 gilt in der gesamten Europäischen Union ein einheitlicher Umstellungstermin: letzter Sonntag im März auf Sommerzeit, letzter Sonntag im Oktober zurück auf Winterzeit. Diese Vereinheitlichung sollte den Binnenmarkt stärken und Koordinationsprobleme beseitigen. Ob das Energiesparziel je wirklich erreicht wurde, ist bis heute umstritten — moderne Studien kommen mehrheitlich zu dem Schluss, dass der Effekt bestenfalls minimal ist.
Den vorerst letzten Wendepunkt markierte 2018: Die EU-Kommission startete eine öffentliche Konsultation zur Abschaffung der Zeitumstellung — 4,6 Millionen Europäer beteiligten sich, eine Rekordbeteiligung für eine EU-Umfrage. Das Ergebnis war eindeutig: 84 Prozent sprachen sich für die Abschaffung aus. Im März 2019 stimmte das Europäische Parlament mit großer Mehrheit dafür, die Zeitumstellung bis 2021 auslaufen zu lassen. Doch der EU-Rat konnte sich seitdem nicht einigen — die entscheidende Frage, welche Zeit jedes Land dauerhaft behalten soll, blieb ungeklärt. So dreht sich die Uhr bis heute zweimal im Jahr.